Landesarbeitsgemeinschaft Kunst Schleswig-Holstein e.V.

 

 

 

Sommerakademie Wege

 

Wege, so lautete der Titel der Sommerakademie 2008.

Unter diesem Thema arbeiteten die Werkstätten Malerei, Holzschnitt und Fotografie.

Im Malersaal, in dem Anne-Kathrein Erban zwölf Teilnehmerinnen anleitete, ging es in einer ersten Gruppenarbeit zunächst einmal ganz konkret um Wege, die gegossene schwarze Tusche auf Papierbahnen von einigen Metern Länge hinterließ, wenn die Bahnen schräg gehalten wurden. Es entstanden viele malerische grafische Spuren, die auch gleich mit viel Fantasie als Meerestiere oder Fabelwesen u. v. m. gedeutet wurden.

In Folge wurde mit Ausschnitten einer Bahn individuell weitergearbeitet. Später wurde die Absprengtechnik erlernt und angewandt, es wurden Landkarten in die Werke eingearbeitet bis schließlich eine jede ihren eigenen Weg des kreativen Tuns gefunden hatte. Immer wieder wurden die Zwischenergebnisse besprochen, Erfahrungen ausgetauscht und Erkenntnisse gemehrt, sensibel begleitet und unterstützt durch die Werkstattleiterin. Und während anfangs noch monochrome Arbeiten in grau-schwarz den Raum beherrschten, folgte schon bald eine Phase, in der die ganze Vielfalt der Farben malerisch genutzt wurde. Das Thema Wege zog sich immer wieder durch die sonst so verschiedenen Arbeiten. Mal waren es Wege in einer besonderen Landschaft, dann wieder sinnbildliche Wege, Wege zu besonderen Orten wie beispielsweise in ein Museum, Stationen des eigenen Lebensweges oder auch der persönliche Weg als Künstlerin. Kurzum, es gab keine Grenzen bei der Auslegung und  Ausgestaltung, was sich auch in der überraschend vielfältig bestückten und sehr beeindruckenden Präsentation zeigte.

In der Druckwerkstatt ging es vergleichsweise beschaulich zu. Hier fand Werkstattleiter Jürgen Grenzemann Zeit und Gelegenheit, sich seinen sechs  TeilnehmerInnen individuell und ausgiebig zu widmen. Gedruckt wurde mit Holzplatten, die zuvor mit verschiedenen Werkzeugen bearbeitet wurden. Bei diesem Hochduckverfahren, drucken nur die stehen gelassenen, also erhabenen Teile der mit Farbe eingewalzten Platte. Neben einer guten Idee zum Thema Wege brauchten die TeilnehmerInnen bei der Plattenbearbeitung vor allem Geschick, Geduld und Ausdauer. Nach dem ersten Andruck des Motivs im Vordergrund wurde meistens noch eine zweite Patte für den Hintergrund bearbeitet, sodass eine Arbeit mit zwei Farben entstand. Weiter erlernten die TeilnehmerInnen den Irisdruck, bei dem ein fließender Farbverlauf zwischen mehreren Farben schon auf der Walze erzeugt wird. Es entstanden sehr starke künstlerische Arbeiten von Könnern, aber auch die blutigen Anfänger konnten schöne Blätter vorweisen. Dass bei der Arbeit auch mal ein Pflaster benötigt wurde, wurde gelassen hingenommen.

Als besonderes Highlight erwies sich die Präsentation der Druckwerkstatt, in der den Besuchern das Hochdruckverfahren und auch der Irisdruck vom Werkstattleiter erläutert und von einer Teilnehmerin vorgeführt wurde. Staunendes „Oh“ war aus dem Publikum zu vernehmen, als das Papier vom Druckstock genommen wurde.

Auf den ausgestellten Blättern fanden sich z. B. kartografisch dargestellte Wege, abstrakte Wege in labyrinthartigen Windungen, Steine, die vielleicht im Weg lagen, der Weg der Katze, die einen Baum erklettert, und der der Turnerin, die auf Händen läuft.

Jede und jeder hatte seinen ganz eigenen Weg sich auszudrücken gefunden.

Die Fotowerkstatt – geleitet von Nina Wittmaack – war mit sieben TeilnehmerInnen gut besetzt. Die Mehrzahl hatte schon einmal in einer Dunkelkammer gearbeitet und gegenseitiges Helfen und Unterstützen war oberstes Prinzip. Es wurde oft bis tief in die Nacht hinein gearbeitet, hoch konzentriert, planvoll und geduldig. Es wurden Teststreifen angefertigt, um einerseits das Ergebnis zu optimieren, andererseits aber auch, um sparsam mit dem teuren Fotopapier umzugehen. Die Ergebnisse wurden miteinander besprochen, neue Verfahren erlernt und die Werkstattleiterin hatte für jede und jeden immer gute Tipps und Hilfestellungen. Manch einer hatte schon einen belichteten Film von zu Hause mitgebracht. Doch die Fotografen zogen auch gemeinsam los, um in der umgebenden Landschaft Motive zu erhaschen, die ihnen über den Weg liefen oder sie fuhren zu einem Oldtimerhändler, der in einer Nachbargemeinde schon seit Jahren dankbares Ziel für besondere Aufnahmen darstellt. Wann bekommt man schon einmal einen echten Rolls Royce, einen Jaguar oder einen in die Jahre gekommenen Mercedes der S-Klasse vor die Kamera? Ihre gefälligen Rundungen und ihr lupenreiner Glanz waren denn auch eine Augenweide auf den ausgestellten Fotos. In der Präsentation gab es auch wieder sehr professionell wirkende Portraitaufnahmen, weiter künstlerisch verfremdete und seltsam anmutende Fotobearbeitungen wie auch detailverliebte Makroansichten der Dinge am Wegesrand. Ein Schmunzeln entlockten die Arbeiten, die die Fotografen selbst auf ihren Wegen zeigten. Hier wurde deutlich, dass so manche der ausgestellten Aufnahmen wohl auch dem turnerischen Geschick und den erstaunlichsten Verrenkungen der Fotografen zu verdanken ist.

Bei der Präsentation im Musiksaal wurden die Besucher mit Fußspuren aus zugeschnittenen Fotos auf dem Parkett überrascht, die den Weg durch die Ausstellung vorgaben. Bewundernd stand so mancher vor den schwarzweißen Kunstwerken, die von keiner noch so megahochpixeligen Digitalfotografie übertroffen werden

Für alle Teilnehmenden, ganz gleich in welcher Werkstatt sie gearbeitet haben, hat sich auch in diesem Jahr wieder der Weg zur Sommerakademie gelohnt.

brigitte hoth

 

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