Landesarbeitsgemeinschaft Kunst Schleswig-Holstein e.V.

BERICHTE

Exkursion nach Berlin vom 14. Mai. – 16. Mai 2010

 

Den letzten Berlinbesuch 2009 noch in guter Erinnerung starteten 13. Teilnehmer der LAG Kunst mit der Bahn von Kiel / Hamburg nach Berlin. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch die Hoffnung, dass uns dort besseres Wetter erwartete. Leider meinte es das Wetter in diesem Jahr nicht so gut mit uns und wir blieben unserem Regenschirm treu.

Nach der Ankunft in Berlin ging es gleich in das uns wohlbekannte Hotel in Kreuzberg. Wie gewohnt ging es zügig weiter zum Neuen Museum auf der Museumsinsel. Dort erwarteten uns noch zwei weitere Teilnehmerinnen, welche schon einen Tag in Berlin weilten.

Nach einigen organisatorischen Unebenheiten`, von seiten des Museums, stellte sich schließlich ein junger Mann als Museumsguide vor. Durch die kompetente und interessante Führung von Patrick Golenia verging die zweistündige Führung durch das Museum im `Nu`.

Das Neue Museum ist nach der Alten Nationalgalerie und dem Bodemuseum das dritte sanierte und neu eingerichtete der fünf Häuser auf der Insel.

Das Konzept des Architekten David Chipperfield, das Alt und Neu sich gegenseitig zur Geltung bringen sollen und nicht deren Kontrast, ist als neue Vollständigkeit in diesem Museum in faszinierender Weise gelungen. Fehlende Teile wurden nicht wie bei einer antiken Figur als Surogat ergänzt, sondern kenntlich gemacht. Zerstörungen des 2. Weltkrieges sollten sichtbar bleiben. Eine Besonderheit des Bauwerkes – aufgrund des problematischen Untergrundes – sind die gemauerten Deckenkonstruktionen aus Tontöpfen. Zylindrische Hohlkörper aus Ton, in Gipsmörtel verlegt, wurden zu Kuppeln mit ca. 4,5 m Durchmesser. Einige weitere technische Besonderheiten, wie der Marble Cement an Wand und Säulen wurden ausführlich erklärt. Eines der prominentesten Stücke der Sammlung, die Nofretete, wird mit Hilfe eines gutdurchdachten Lichtkonzepts  im Nordkuppelsaal in einer Sichtachse zum Südkuppelsaal präsentiert.

Die ursprüngliche Planung Stülers als Tageslichtmuseum wurde so weit wie möglich beibehalten und mit einer ausgeklügelten Kunstlichtkonzeption verbunden.

Nach der ausgezeichneten Führung hatte jeder noch einmal die Möglichkeit sich weitere Räume des Hauses anzusehen.

Anschließend trafen wir uns in dem thailändischen Restaurant „Chan“ und ließen den Tag in froher Runde bei einem guten Essen ausklingen

Am Samstagmorgen waren wir wieder alle fit für einen inhaltsreichen und interessanten Tag.

Unser nächstes Ziel war die Privatsammlung Boros, welche sich in einem für Ausstellungszwecke umgebauten Bunker des 2. Weltkrieges befindet. Auf ca. 3000 qm werden wechselnde Exponate zeitgenössischer Kunst der Sammlung Boros gezeigt.

Nach einer Mittagspause holte uns Anne Naundorf an der U Bahn Kochstr. zur Galerientour  ab und führte uns durch acht Kreuzberger Galerien. Alle – doch recht etablierten - Galerien beeindruckten durch die Größe der Räumlichkeiten und die Art der Präsentation der Kunstwerke. Unser Weg führte zuerst zur Jiri Svestka Gallery, welcher Kristof Kinteras (Tschechoslowakei) Lichtobjekte und einige seiner Zeichnungen präsentierte. Im Zentrum standen ein riesiger Kronleuchter und eine aus Lampen montierte Figur. Beides ein Ausdruck seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Energie in Form von Licht.

Als nächstes besuchten wir die in der Nachbarschaft liegende Galerie Barbara Weiss 

Die Amerikanerin Mary Heilmann präsentierte unter dem Titel „Home Sweet Home“ nicht nur Malerei und Grafik sondern auch Möbelobjekte und Keramikskulpturen. Auffallend waren die in Leuchtfarben gehaltenen Holzstühle und ein Pink-orange bemalter Tisch. Alle Objekte im Raum verbinden sich zu einem Netzwerk von Kunst, Leben und Arbeit.

Ein weiterer Künstler der Galerie war der Amerikaner John Miller, der Standbilder aus dem Internet auf Leinwände überträgt und Menschen in unterschiedlichen räumlichen Situationen darstellt. Deren Mimik mit Schrecken und Trauer gezeichnet ist. Eine weitere Arbeit zeigten Aktenschränke, in welchen sich unbenutztes Druckerpapier befindet.

Eine rege Diskussion entstand in der Galerie Crone, in welcher Michael Schirmer seine Digigraphien zum Thema „Tod der Anderen“ zeigte. Er verwendet historische Bildinhalte und entfernt einen zentralen Bildteil.

Gleich in der Nachbarschaft besuchten wir die Galerie Michael Janssen. Mario Ybarra jr. greift seine mexikanischen Wurzeln auf  und setzt sich in großformatigen Bildern – teilweise auf Wellpappe –mit der Straßenkultur und der sozialen Wirklichkeit auseinander. Daneben verkauft er selbstgestaltete Baseballmützen,T –Shirts, Turnschuhe und Buttons , um ein laufendes Projekt von Slanguage nach Berlin zu unterstützen.

Weiter ging es in die Galerie calier I gebauer . Hier wurden wir von den Arbeiten Mark Wallingers, tausend auf den Boden liegenden, nummerierten Steinen in der Mitte des Raums empfangen. Ist es ein Ordnungssystem? Was passiert, wenn einer Sache eine Nummer geben wird? Viele Fragen stellen sich insbesondere auch zu den Fotografien „The Unconscious“.

Aufnahmen von schlafenden Menschen, welche in ihrer Unbewußtheit mehr sie selbst sind als im Wachzustand. Ein weiterer Raum stellte einhundert alte und verschiedene Stühle, welche durch ein weißes Band mit einem Punkt im Raum verbunden waren.

Die Galerie Gebr. Lehmann stellte die Engländerin Ellen Harvey mit ihren „Picturesque Pictures“, sowie den verspiegelten Raum „Room of Sublime Wallpaper“ vor.

Schimmernde, sich bewegende Landschaftsbilder nähern sich dem Betrachter beim Betreten des Raumes. Beim näheren Hinsehen offenbaren sich die Gemälde als Spiegel, die die bemalten Wände reflektieren. Die Illusion der schönen Landschaft wird jedoch dann durch die Reflektion des Betrachters gebrochen.

Eine nächste Galerie Opdahl überraschte uns mit Ihrem Werk „Late last Night“. Jimmie Durham lädt die Betrachter in ein skurriles Wohnzimmerensemble mit Teppichen, Vorhängen und Tapete.

Innerhalb dieses Raumes hat der Künstler fünf „Combine Sculptures“ aus Holz, Tierhörnern, und Plastikrohren angeordnet. Der Versuch, das Interieur eines europäischen Wohnraumes darzustellen, bewegt sich zwischen einer humoresken wie auch unheimlichen Sichtweise.

Der letzte Besuch galt der Galerie Volker Diehl. Martin Assig zeigt seine Wachsarbeiten, welche sich in der Verbindung zwischen Text und Bild befinden. Der gemalte Text geht über die reine Sprachbedeutung hinaus und wird zu einem visuellen Element, in dem die Bedeutung der Worte erhalten bleibt.

Diese acht Galerien gaben einen guten Einblick in einen der Bereiche der Galerienlandschaft in Berlin.

Ermüdet begaben wir uns in das naheliegende  Cafe  der Berlinischen Galerie. Nach einer kurzen Pause begaben wir uns auf den Rückweg ins Hotel.

Den Tag klang dann mit einem Abendessen im Berliner Restaurant „Max und Moritz“ in fröhlicher und diskussionsfreudiger Runde aus.

Am Sonntag teilte sich die Gruppe, einige besuchten im Gropiusbau eine der dort angebotenen Ausstellungen: Frida Kahlo, Retrospektive

Olasfur Elliason – Innen, Stadt, Außen

Preisträger der Gabriele Münter Stiftung

oder gingen in den Hamburger Bahnhof, der die Ausstellung „Bestiarium“,

riesige allegorische Tieraquarelle von Walton Ford zeigte.

Ein interessantes Wochenende ging am Sonntagnachmittag mit der Rückfahrt nach Hamburg und Kiel zu Ende.

Dir, Ulla noch einmal vielen Dank für die gelungene Organisation.

 

Irene Ott-Schmidt

 

 

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Galerienrundgang am 6.02.2010 in Hamburg

 

Mit unserem Führer Herrn Schiff erreichten wir per U-Bahn und auf vereisten Gehwegen die Galerien Morat, Conradi, Atomic Salon, Schaltwerk und Ruth Sachse - ein sehr abwechslungsreiches Programm!

Die Galerie Morat zeigte Fotoausstellungen von Jan Banning zum Titel "Bureaucratics"; Büroangestellte aus aller Welt waren auf großformatigen farbigen quadratischen Fotos hinter ihrem Schreibtisch mit oder ohne private und amtliche Accessoires festgehalten, die Aufschluss über die Person und das Land gaben.

Der zweite Raum zeigte großformatige Farbfotos von Peter Ganser zum Thema "Signs", in denen es anhand von menschenleeren bzw. mit Menschen überfüllten Fotos um die Identität der USA ging. Herr Morat war leider nicht persönlich anwesend.

In der Galerie Conradi, die sehr eng mit der Kunsthochschule zusammenarbeitet und deren sehr sozial-kulturell engagierte Galeristin junge Künstler unterstützt, waren in großen weißen, mit weiten Durchgängen verbundenen Räumen überwiegend Schwarz-Weiß-Arbeiten zu sehen, die bei genauem Hinsehen zu interessanten Entdeckungen führten (z.B. Oberflächenstruktur, Perspektive).

Im Atomic Salon der Galeristin und Fotografin Laura Honse tauchten wir in die Szene des Karolinenviertels ein; in den kleinen, engen Räumen waren die Wände mit unterschiedlichsten Fotoformaten zugepflastert, zu sehen waren größtenteils Menschen aus dem Milieu, fotografiert z.T. auf dem privaten Bett der Galeristin. Wir erfuhren Bewegendes und Schicksalhaftes zu diesen Menschen. Nachklingen lassen konnten wir diese Eindrücke im Szenecafé nebenan.

In der Galerie Schaltwerk, einem Ausstellungsort für reduzierte Kunst, stellte uns die junge Galeristin den Künstler Joe Barnes aus New York persönlich vor. Auch hier begegnete uns das quadratische Format. Die Arbeiten (monochrome painting) können in unterschiedlicher Zusammenstellung gehängt werden. Barnes betonte die Aspekte der Sinnlichkeit und Meditation in seinen Werken, in einer Welt der Fülle, Anonymität und Hektik.

In der Galerie Ruth Sachse konnten wir noch einen Blick auf den größten Teil der "zerfledderten" Ausstellung der Benefiz-Aktion zu Gunsten der Erdbebenopfer auf Haiti werfen, die 10.000 € einbrachte. Die Galeristin bewirtete und mit Rotwein und Käse. Wir diskutierten abschließend noch einmal die uns in jeder Galerie bewegende Frage nach der Überlebensstrategie: begegnet sind wir Lebenskünstlern, Firmenberatern und Vermögenden.

Ein Tag voller Überraschungen und Neuentdeckungen - die Zeit war einfach zu kurz. Vielen Dank an Herrn Schiff und Ulla Domin.

Barbara Bull

 

 

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Bitte klicken Sie auf das Bild um zu den Fotos der Exkursion zu gelangen.

  Langes Wochenende der Galerien in Berlin vom 1. – 3. Mai 2009

Von Ulla Domin perfekt vorbereitet und organisiert startete am 1. Mai unsere LAG-Exkursion nach Berlin am Hamburger Hauptbahnhof. Wissend, dass Berlin die Hauptstadt der Galerien ist (ungefähr 600 im Stadtgebiet und allein in Berlin Mitte

50 bis 60), waren wir 12 Teilnehmer alle sehr gespannt und erwartungsvoll.

Mitreisende Gruppen im Abteil waren sehr laut und lustig, so war dann der Übergang nach Ankunft in Berlin nicht ganz so krass.

Die Lautstärke und viele Geräusche setzten sich nahtlos fort, denn wir besuchten sofort das Museum Hamburger Bahnhof und ließen dort die Klanginstallation „the murder of crows“ der kanadischen Künstler janet cardiff und georges bures miller eine halbe Stunde auf uns einwirken.

Etwa vorhandene Aggressionen wurden anschließend bei einem Kaffee oder Tee unter schattigen Bäumen im Museumscafé hinweggespült. Es blieb auch noch ausreichend Zeit, andere Ausstellungsräume (sehr viel Beuys) zu besichtigen und den Buchladen um einige Schnäppchen zu erleichtern.

Nach dem Einchecken im Hotel in Kreuzberg, wo schon die Polizei Stellung bezogen hatte, wanderten wir am späten Nachmittag Richtung Museumsinsel und bekamen einen Einblick in den Demonstrationszug zum 1. Mai, der gerade vor dem Hotel eintraf. Wir aber interessierten uns mehr für die Rauminstallation shadowbox von Katharina Grosse in der Temporären Kunsthalle.

Hier beeindruckten uns vier überdimensionale, gewölbte Ellipsen, die durch Form und Farben die weiße Halle beherrschten und uns sehr klein erscheinen ließen.

Die Bildträger aus laminiertem Hartschaum sind eingeschnitten oder perforiert und auf der Vorderseite mit sehr unterschiedlicher Spraymalerei überzogen. Sie wurden von Katharina Grosse für diese Halle konzipiert.

Neben der Halle konnten wir die Fundamente des Schlosses besichtigen und die Schautafeln für den geplanten Wiederaufbau des Gebäudes studieren.

Den sommerlich warmen Abend verbrachten wir dann gemeinsam draußen in einem Restaurant.

Am Samstagmorgen waren dann alle wieder fit für einen ausgefüllten und interessanten Tag. Frühaufsteher hatten schon den Reichstag bestiegen oder einen Shoppingbummel gemacht, bevor wir uns in den Sophie-Gips-Höfen in Berlin-Mitte trafen, um die Sammlung Hoffmann zu besichtigen, die nur samstags und nach Anmeldung fürs Publikum zugänglich ist.

Eine sehr kompetente Führerin erläuterte im Gespräch die unterschiedlichsten Werke – Plastiken, Gemälde, Licht- und Videoinstallationen – u.a. von Francois Morellet, Isa Genzken, Frank Stella, Pippilotti Rist, Thomas Ruff, um nur einige wenige zu nennen.

Hier fand jeder sein „Lieblingswerk“ oder „Lieblingsraum“ in dem riesigen ehemaligen Fabrikkomplex, der auf eine bewundernswerte Weise von dem Ehepaar Hoffmann renoviert und als Wohnung und zur Präsentation ihrer großen Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst hergerichtet wurde. Diese Ausstellung wird alle 6 Monate erneuert und ein zweiter Besuch wird schon von einigen Teilnehmern erwogen.

Nach zwei Stunden intensiven Betrachtens hatten wir eine kleine Pause verdient, die wir im Café im Innenhof verbrachten.

Dort holte uns um 14 Uhr ein junger Mann ab, der uns vier Stunden lang durch 13 Galerien in Berlin-Mitte führte. Dieser Rundgang war für uns von der Galeristin Anne Naundorf ausgearbeitet worden und sollte uns einen Einblick in sehr unterschiedliche Galerien verschaffen, von groß und prächtig mit Ausstellungen namhafter Künstler bis hin zu sehr klein und provisorisch anmutend. Wir begannen in den Alexander Ochs Galleries in der Sophienstraße und waren dann überwiegend in der August- und Linienstraße. Hier liegt wirklich Galerie neben Galerie und an einigen mussten wir sogar vorbeigehen!

Von diesen vielen Eindrücken ist mir ganz besonders der Besuch in der Galerie Project Space in der Auguststraße in Erinnerung geblieben. Die Ausstellung Abstrakte Welten – Sam Francis / Christian Awe beeindruckte durch die explodierenden Farben. Der junge Berliner Künstler Christian Awe war anwesend und konnte uns Erläuterungen zum Herstellungsprozess seiner großformatigen Bilder geben.

Nach diesen vier Stunden hatten wir noch ein Gespräch mit der Urheberin dieses Rundganges, die uns im Kunsthaus Tacheles traf. Zufrieden, aber kaputt und kaum noch aufnahmebereit, schafften wir es gerade noch in ein italienisches Restaurant um die Ecke. Zum Glück war die U-Bahnstation genau vor der Tür!

Am Sonntag trennte sich die Gruppe. Einige besichtigten die im Gropiusbau gerade eröffnete Ausstellung 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland, für jedes Jahr wurden exemplarisch Künstler und eine Auswahl ihrer Werke vorgestellt.

Andere gingen in die Retrospektive Annie Leibowitz – a photographer’s life.

 

Ein ausgefülltes langes Wochenende, noch einmal vielen Dank für die Organisation!

Ute Muxfeldt-Leman

 

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Galerienrundgang "Der rote Punkt"

Exkursion nach Hamburg am 31.1.2009

Organisiert von Ulla Domin, mit Unterstützung der Galeristin Ruth Sachse und dem Kunstmittler Hajo Schiff, der uns durch fünf Galerien geführt hat.

Wir trafen uns in der ARTFINDER GALERIE. Es ist ein Kunsthandel mit zeitgenössischen Unikaten, Originalgrafiken und Herausgeber von Künstler Editionen. Seit 2000 gibt es ihr Internetprojekt: artfinder 2000 - ein Forum zum Kauf oder Verkauf von Grafiken, Fotografien oder Multiples. Seit 2001 gibt es die kleine "reale Galerie" für zeitgenössische Kunst. Die ausgestellten Bilder sind von ROLF ROSES und JOACHIM GROMMEKS.
Joachim Grommeks Malerei lässt sich nicht ohne das Verhältnis zur Moderne, ohne das Spiel mit den Referenzen denken. Grommek benutzt handelsübliche Spanplatten, grundiert diese weiß, und nutzt nun ein Repertoire verblüffender Trompe-l’œil-Effekte: Durch die malerisch perfekte Illusion von Spanplattenoberflächen und verschiedenfarbiger Klebebänder stellt er Kompositionen her, die einst "ungegenständlich" genannt wurden. Joachim Grommek wurde 1957 geboren und lebt in Berlin.
Rolf Roses Arbeit steht in der Tradition von Farbfeldmalerei und Minimal Art und verlängert die Geschichte der amerikanischen Malerei in die Gegenwart hinein. Mit Hilfe mehrerer Farbschichten baut Rose oszillierende Farbräume, die ihre Lebendigkeit aus der Struktur des mit einem Spachtel oder einem Kamm aufgetragenen Farbmaterials beziehen. Diese Farbräume weisen einen Bezug zu russischen Ikonen auf und auch zu den vom Goldgrund geprägten Hintergründen in der Malerei der Gotik. Rolf Rose wurde 1933 geboren und lebt in Hamburg.

Der zweite Galeriebesuch führte uns zu ROBERT MORAT in eine Galerie für Photographie. Die Robert Morat Galerie beschäftigt sich mit zeitgenössischer Photographie und mit Photographie des 20. Jahrhunderts. Neben wechselnden Ausstellungen internationaler Photographen bietet die Galerie ein ausgesuchtes Sortiment von Büchern und Zeitschriften zum Thema Photographie.
Die von uns gesehene Ausstellung von ARNO FISCHER trägt den Titel "DER GARTEN". Im Jahr 1978 erwarben die Fotografen Arno Fischer und Sibylle Bergemann ein Haus in Margaretenhof nördlich von Berlin. Sie richteten es als Lebens- und Arbeitsort ein, legten Garten und Teich an und bauten Volieren für allerlei Vögel. Seither fotografiert Arno Fischer mit einer Polaroidkamera Details und Stillleben in seinem Refugium. Dabei interessiert ihn der Verfremdungseffekt durch die Eigenartigkeit der Polaroids ebenso wie das sofortige Vorliegen eines unikaten Ergebnisses. Die Polaroids werden vom Künstler zu Triptychen arrangiert. Es ist eine Auswahl seiner 30 Jahre währenden Arbeit.

Danach besuchten wir dann die Galerie von CAROLYN HEINZ, die im April 2005 in Hamburg-Eppendorf gegründet wurde. Ziel der Galeriearbeit ist es, jüngere oder nicht fest am Markt etablierte Künstler meist in Einzelausstellungen vorzustellen. Kriterium bei der Auswahl der Künstler ist in erster Linie das Erkennbarwerden einer intensiven Auseinandersetzung mit den Inhalten und Mitteln der künstlerischen Darstellung. Das kontinuierliche und hartnäckige Durchspielen von Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung sowie die prozesshafte Weiterentwicklung im Werk sind hier die wesentlichen Qualitätsmerkmale. Stilistische oder technische Präferenzen gibt es nicht grundsätzlich. Ein Schwerpunkt der Galeriearbeit liegt in der Vermittlung und darin, in intensivem Diskurs und in Zusammenarbeit mit den Künstlern sich den Problemen von Produzenten, Vermittlern und Kunstbetrachtern bzw. Käufern zu stellen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und neue Konzepte für die weitere Arbeit zu entwickeln. Dabei versteht sich die Galerie auch als Kommunikationsort für den Austausch zwischen den Künstlern.
Unter dem Titel "nimm3" wurden Arbeiten von Katharina Büche - Wolfgang Neumann - Stefanie Woch gezeigt. Trügerische Idyllen, tragikomische Inszenierungen - eine Welt zwischen Schönheit und Verderben, Anziehung und Abstoßung zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der drei Künstler Katharina Büche (Objekte), Wolfgang Neumann (Malerei) und Stefanie Woch (Malerei). Stets verbunden mit einem Schuss Humor entwickeln sie surreale Szenarien, die sich einer eindeutigen Lesart verweigern.
Wolfgang Neumanns (*1977 in Filderstadt, lebt bei Stuttgart) Figurenpersonal gleicht einer Versammlung scheinbar bekannter Gestalten aus dem medialen Alltag. Seine Bilder sind malerische Synthesen aus disparatem medialem Material - von der Werbung bis zur Nachrichtensendung. Vertraute Gesichter und Gesten werden mit einem Augenzwinkern in grotesk-ironische, mehrdimensionale Zusammenhänge gebracht, die „warnen“, nicht allem so zu vertrauen, wie es scheint.
In Stefanie Wochs (*1971 in Wolfsburg, lebt in Wolfsburg) traum- oder märchenhaften Inszenierungen von Innen- wie Außenräumen gewinnen Gegenstände und fantastische Figuren ein Eigenleben. Wie in kindlichen Scheinrealitäten, wo die Schlieren einer Seifenblase zu erzählenden Bildern werden, die funkelnden Blitze einer Discokugel eine Gruppe von Puppen und Zwergen zum Leben erwecken oder gemalte Figuren plötzlich tanzend ihre angestammte Position auf dem Lampenschirm verlassen. Eine irreale Scheinwelt, deren Zerfall jedoch stets immanent ist.
Katharina Büches (*1963 in Karlsruhe, lebt in Appenzell (CH)) kleine Fellobjekte spielen mit dem ganz archaischen Bedürfnis nach Wärme, Weichheit, Schutz und Natürlichkeit. Kuschelige kleine Figuren - in die jedoch die Welt der Künstlichkeit eingedrungen ist. Denn ihre Körper sind artifiziell, ihre Behausungen synthetisch aus Gummi, Plastik, Pappe. So haben auch sie etwas trügerisches, spielen mit unseren Gefühlen, sind verführerisch und zugleich abstoßend, wecken Sehnsüchte und sind ebenso bedrohlich.

Nach einer Busfahrt erreichten wir die vierte Galerie. Die Galerie CARMEN ZIEGLER in Hamburg ist auf Malerei spezialisiert. Sie verfügt über einen umfangreichen Bestand an Bildern und Arbeiten auf Papier der Kunst der Gegenwart. Das Spektrum reicht von abstrakt expressionistischer bis hyperrealistischer Malerei, spielt bei der Auswahl der Künstler aber eine untergeordnete Rolle. Die Überwindung der scheinbaren Wirklichkeit und das Aufzeigen einer ganz eigenen Sicht der Dinge, mit den Mitteln der Malerei, so wie hohe Professionalität, geben hier den Ausschlag. Ihre anspruchsvollen Exponate und ihre bescheidenen Räumlichkeiten, verleihen der Galerie einen besonderen Charme.
KD ARLT ist der Künstler, dessen Ausstellung unter dem Titel " MALEREI " z. Zt. zu sehen war. Die Bilder des Malers KD Arlt sind stark angelehnt an die Konstruktivisten und De Stijl. Wie sie ist KD Arlt in seinen Bildern auf der Suche nach der größtmöglichen Harmonie. Einer Harmonie zwischen Farbe und Form. Die geometrischen Formen bedingen sich selbst, sie sind nichts weiter als sie selbst und zeigen uns doch das ganze Universum. KD Arlt gelingt es, in seinen Bildern mit einfachsten Formen und je 1-3 Farben eine Bildwelt zu schaffen, der sich der Betrachter schwerlich entziehen kann

Die letzte Galerie, von RUTH SACHE, hat sich der Kunst der Gegenwart verschrieben. Mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer, vorwiegend norddeutscher Kunst, wirft die Galerie ein Schlaglicht auf die hohe Qualität der in Norddeutschland ansässigen Künstler. Ihr ist daran gelegen, Kompetenz in der Wahrnehmung visuell künstlerischer Bildsprachen in die Gesellschaft zu tragen. Aus ihrer Nähe zum gemalten und gezeichneten Bild heraus weiß sie, dass qualifiziertes Sehen Zukunft bedeutet. Der Schwerpunkt der Vermittlung bei Ruth Sachse liegt im Bereich konzeptueller Ansätze, die sich unterschiedlicher Mittel wie Malerei, Skulptur und anderer Medien bedienen. „Innovative Malerei“ oder „konzeptioneller Ansatz“ sind Stichworte, mit denen Ruth Sachse ihr gar nicht so programmatisches Galerieprogramm beschreibt. Bei Ruth Sachse sieht man Malerei, die von der Fläche in den Raum hinausgreift, Zeichnungen, die zu Objekten werden oder Installationen, die ganz durch den „Space“ hindurchwuchern. Nicht ein bestimmtes Medium, nicht eine bestimmte Altersgruppe von Künstlern ist bei Ruth Sachse gefragt, sondern das, was als einzelne Position besteht, formal überzeugt, gegenständlich oder abstrakt-konstruktiv, oft die Zweideutigkeit der Form auslotend und zwischen den traditionellen Gattungen oszillierend: eine Innovation der leisen, jedoch nachhaltigen Töne.
Wir sahen hier eine Ausstellung von PETER RIEK, "schattenwandern" - Zeichnungen und Räume. Peter Riek, geboren 1960 in Süddeutschland, beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Zeichnung in ihren verschiedensten Spielarten. Neben Zeichnungen auf Papier oder Holz stehen Wandzeichnungen, Eisenzeichnungen und Straßenzeichnungen, sowie raumbezogene Installationen. Gemeinsam ist allen Arbeiten ein abstrakt organischer Formenkanon, der sich über die Jahre langsam entwickelt. Die stillen poetischen Zeichnungen die von Vergänglichkeit und Melancholie handeln, zeugen gleichzeitig von geglückten Momenten abstrakter Schönheit. In der neuen Ausstellung mit Peter Riek werden die reduzierten Zeichnungen -mit schwarzer Fettkreide auf weißem Grund- den Straßenzeichnungen -mit weißer Kreide auf Asphalt- gegenüber gestellt. Die Arbeiten „schattenwandern“ - provisorische Architekturen aus Wellpappe und Leuchtkästen ergänzen die Präsentation, die einen spannenden Einblick in die Welt dieses Zeichners gibt. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland machten ihn als Zeichner auch überregional bekannt. Er "zeichnet was das Auge hört“.

Zum Schluss sind wir noch in die Deichtorhallen-Ausstellung von STEPHAN BALKENHOL, gegangen und waren nicht nur von seinen monumentalen Figuren, sondern auch von seinen Reliefarbeiten völlig begeistert.

Rosita Sengpiehl

 

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